Harninkontinenz

Als Harninkontinenz bezeichnet man den unwillkürlichen, nicht steuerbaren Harnverlust. Die Harninkontinenz ist meist für den Betroffenen sehr belastend und hinderlich , sie kann zu sozialer Isolation und zu Depression führen.

Hinter dem Symptom Harninkontinenz verbergen sich sehr unterschiedliche Ursachen. Durch gezielte Befragung und einfache Untersuchungen (Urinuntersuchung; Blut-Laborwerte, Ultraschall, Harnstrahlmessung, Blasenspiegelung) bekommt man wesentliche Informationen und kann oft schon eine Behandlung einleiten. In manchen Fällen sind weiterführende Untersuchungen (Röntgen, Blasendruckmessung) notwendig. Die Therapie ist entscheidend abhängig von der Ursache (beispielsweise muß eine Blasenentzündung zunächst ausbehandelt werden, wodurch die Harninkontinenz in vielen Fällen vollständig verschwindet) und sie muss individuell mit dem betroffenen Patienten besprochen und für ihn angepasst werden.

Blume

Die, vor allem bei Frauen sehr verbreitete Streßinkontinenz (Urinverlust bei einfachen körperlichen Tätigkeiten, Niesen, Husten, Lachen und Sport, verursacht durch eine Schwäche des Blasenverschlusses) kann zumeist durch sog. konservative (nicht operative) Maßnahmen ( Beckenbodengymnastik, Femcon Kugeln, Elektrostimmulation) erfolgreich behandelt werden. Bei erfolgloser konservativer Behandlung und/oder bei ausgeprägten Formen der Streßinkontinenz kann heute durch verschiedene Operationen geholfen werden.

Ebenfalls sehr häufig ist die Urgeinkontinenz (Urinverlust durch heftigen, unkontrollierbaren Harndrang). Bei dieser Form der Harninkontinenz werden Medikamente zur Dämpfung des Blasenmuskels eingesetzt.

Interessant: Darum drückt die Blase beim Baden!
Das Harndrang-Phänomen beim Baden, der „Gauer-Henry-Reflex“, wurde von einem kanadischen Forscher entschlüsselt: Im Wasser ziehen sich die Blutgefäße zusammen, das Blut wird zum Rumpf gelenkt und Dehnungsrezeptoren im Vorhof des Herzens werden angeregt. Dieser Druckfühler meldet dem Gehirn „Pegel überschritten“. Um Druck abzulassen, wir dann Harndrang ausgelöst.

Vorlagentest/PAD-Test
Jede Form einer Inkontinenz wird individuell sehr unterschiedlich empfunden. Während zwei feuchte Vorlagen pro Tag für einige Patienten unerträglich sind, bemerken andere Patienten diesen Urinverlust gar nicht oder haben sich damit abgefunden. Im Rahmen der Inkontinenzdiagnostik stellt der Stress- oder PAD-Test eine nichtinvasive, wertvolle Hilfe zur Objektivierung einer Inkontinenz dar. Von besonderer Bedeutung ist, dass dieser Test für die Patientencompliance und Aufklärung sehr wichtig ist. Der Test dient ebenfalls zur Überprüfung des Therapieerfolges z.B. bei TVT-Suspensionsplastik.

Die Untersuchung (Dauer: 2 Stunden)

  • Erklärung des Untersuchungsablaufes
  • Urinstatus zum Ausschluss eines Harnwegsinfekts
  • Wiegen einer dicken Einlage vor Einlegen in die Unterwäsche
  • Auffordern des Patienten, in den nächsten Stunden reichlich Flüssigkeit zu trinken, Treppen zu steigen und sich alltagsgerecht zu bewegen. Die Zeitdauer der Belastung kann variiert werden, sollte aber mehr als zwei Stunden betragen. Die Einlage darf nicht gewechselt werden!
  • Stress-Programm: 10 x kräftig husten, 1 Minute Hände unter kaltem Wasser waschen, 30 Sekunden auf einem Bein stehen, Springen mit abwechselnd offenen und gespreizten Beinen
  • Nach mindestens 2 Stunden Entnahme der Einlage und erneutes Wiegen
  • Die Gewichtsdifferenz in Gramm beschreibt sehr genau die Menge des Urinverlustes
  • Befunddokumentation, eventuell Wiederholung nach medikamentöser oder operativer Therapie

Modifikation des Tests

  • Mitgeben mehrerer Vorlagen nach Hause
  • Nutzung der Vorlagen über 24 Stunden, Lagerung gebrauchter "nasser" Vorlagen in einem luftdichten Beutel (Verdunstung)
  • Messung der verlorengegangenen Urinmenge am nächsten Tag

Das Ergebnis:

Einstufung Urinverust in Gramm
Leichte Inkontinenz < 10g / 24h
Mäßige Inkontinenz < 11-50g / 24h
Schwere Inkontinenz > 50g / 24h



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